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Das Damenkomitee Blau-Weiss Duisdorf
Entstehung und Entwicklung bis 2009

- erstellt anlässlich des 70jährigen Jubiläums 2005 -
- überarbeitet anlässlich des 75jährigen Jubiläums 2010 - und 2013


Wenn man in alten Unterlagen wühlt, dann stellt man mit Erstaunen fest, dass Duisdorf in den 30er Jahren eine karnevalistische Wüste gewesen sein muss.

Gleichwohl soll es immer wieder zu unkontrollierten Ausbrüchen rheinischen Frohsinns gekommen sein.

Dies ließ den damaligen Theaterverein "em Stüffje" unter Führung von Toni Mai senior nicht ruhen. Der Frohsinn musste vereinsmäßig reguliert werden - ein Karnevalsverein musste her. Kurz gedacht und lang versucht: Die Herren bekamen ihren Elferrat nicht zusammen.

Aber eins war damals schon wie heute: Wenn Not am Mann ist, sind die Frauen da.

Und so sprangen im Januar 1935 im damaligen Saal Stahl die Frauen ein und nahmen die Sache in ihre Hand.

Der Verein hätte eigentlich "Agnesia" heißen müssen, denn wer waren die treibenden Köpfe?

Agnes Stribeck - Agnes Wüsten - Anna Agnes,
die auch Präsidentin wurde.

Da es bis Weiberfastnacht nicht mehr weit war, wurden eifrig Karnevalsmützen in blau und weiß genäht - und schon hatte der Verein seinen Namen:

Damenkomitee "Blau-Weiß" Duisdorf von 1935.

Der Krieg unterbrach das närrische Treiben - der Saal Stahl lag in Schutt und Asche.


Aber Frauen lassen sich bekanntlich nicht unterkriegen:

Maria Nöthen, Gertrud Feilmeyer und Gretchen Freiß suchten und fanden Gleichgesinnte, so dass im Jahr 1948 die Narretei ihren Fortgang nehmen konnte.

Unter der Präsidentschaft von Gertrud Feilmeyer fing man im Saal Weber in Lessenich an und musste wegen des großen Erfolges schon im nächsten Jahr in den Saal Heister umziehen; das war der damals größte Saal im Umkreis und auch noch fest in deutschen Händen.

Zu dieser Zeit wurde das Programm noch selbst gestaltet. Das Dorfgeschehen wurde persifliert und mancher hat sich gewundert, was die Damen alles wussten und an Weiberfastnacht gnadenlos auf die Bühne brachten. Manche ihrer Stücke blieben lange in Erinnerung: Der "Zigeunerzug", die "Negertänze aus Trizonesien" (heute würde das heißen: "Tänze von dunkelhäutigen Bürgern oder Bürgerinnen mit Migrationshintergrund aus Trizonesien"), die "Freiwillige Feuerwehr" oder das "Tambourkorps" (in Nachthemden).

Geprobt wurde damals in der Backstube von Angelika Platten. Da war es warm, und es gab auch Brötchen. Beides war in der damaligen Zeit nicht zu unterschätzen. Wenn dann noch der "Knolli-Brandy" kreiste, dann kamen die Ideen wie von selbst und die Proben gingen viel zu schnell zu Ende.

Da der Saal Heister als Auffanglager für Heimatvertriebene dienen musste, kam 1954 der Wechsel in den Saal des "Gasthauses zum Goldenen Stern" meist nur "Saal Schnitzler-Peters" genannt, das heutige Kulturzentrum.

Ein uns erst kürzlich von dem ehemaligen Mitglied Kethe (Käthe?) Schnabel, geb. Struchholz, zur Verfügung gestelltes "Gästebuch" mit Protokollen aus den Jahren 1956 bis 1965 zeigt einige Besonderheiten:

Präsidentin und Vizepräsidentin hießen damals noch Schultheißin und Vizeschultheißin und der sog. Protokollarius (lange Jahre Angelika Platten und Christine Struchholz) stellte zum Sitzungsbeginn dem Publikum nicht nur die Mitglieder des Elferrates vor, sondern berichtete auch gleich über deren Schandtaten im vergangenen Jahr.

Die "Übersetzung" der nicht nur im rheinischen Dialekt gehaltenen, sondern handschriftlich in Sütterlin geschriebenen Protokolle hat manch graues Haar verursacht.

Im 25. Jahr des Bestehens wurde die Sitzung am 14. Februar 1960 in der Duisdorfer Sporthalle gefeiert. Der Sport- oder Mehrzweckhalle blieb das Damenkomitee in der Folge treu.

1962 übernahm Maria Nöthen das Amt der Präsidentin. Sie trug auch dem vermehrten Zuzug von Immies Rechnung, die mit Sprache und Ortgeschehen so ihre Probleme hatten, und griff auch auf fremde Kräfte zurück.

Während ihre Vorgängerin oftmals allein auf der Bühne saß, weil ihre Mitstreiterinnen auftraten oder sich auf ihren Auftritt vorbereiteten, musste sie nun auch noch die fremden Kräfte steuern.

"Fremde Kräfte", so hieß das damals. Viele von ihnen sind Kölner Karnevalsgrößen geworden, die sich damals in der Provinz ihre ersten Sporen verdienten.

1978 übergab Maria Nöthen das Präsidentinnen-Amt an ihre Tochter Maria Hochgeschurz, die es 20 Jahre mit Bravour geführt hat. Im Hintergrund wurde sie kräftig unterstützt von ihrem Mann Karl.

Auch aus dieser Zeit erinnern wir uns an bekannte Karnevalsgrößen:
Marita Köllner - "Et fussich Julche", die Paveier, das Tanzcorps "Blaue Jungs", die "Winzer und Winzerinnen von der Bottmüll", "Hot un Hötche", Willi Armbröster, die "Junge vum Vringsveedel", "Dä Böschräuber", die "Original Tanzgruppe Kölsch Hännes'chen", die "3 Colonias", Renate Fuchs als "Callas vom Niehl", das "Schnäuzer-Duo", "Et Botterblömche", um nur einige zu nennen.

Viele von ihnen kamen in späteren Jahren wieder, so das Schnäuzer-Duo und Willi Armbröster 2004; die Winzer und Winzerinnen us em Vringsveedel 2005 und die Original Tanzgruppe Kölsch Hännes'chen hat uns 2006 die Ehre geben.

Aber natürlich hinterließen auch neue Kräfte einen bleibenden Eindruck. Gern denken wir an:
Bruce Kapusta 2000 und 2003, De Huusmeister vom Bundesdaach 2002 und 2005, Feuerwehrmann Kresse 2002, die Poppelsdorfer Schloss-Madämchen 2003 und 2009, das Thorrer Schnauzerballett, Weltenbummler Gerd Rück und Fuffzichzehn 2005 sowie Diakon Willibert Pauels als Bergischer Jung 2006, Martin Schopps mit seiner Rednerschule und die Unkeler Ratsherren 2007, Jürgen Beckers als Hausmann und Marc Metzger als Blötschkopp, die Cöllner und Grün-Weiß Schlebusch 2008, Blue Magic, die 3 Tenöre, und die Kaafsäck 2009 und schließlich in 2010 Et Rumpelstilzche, Sr Tollität Luftflotte und Querbeat. Ähnlich setzte sich das Programm bis heute fort.

Ende der 90er Jahre wurden auf vielfachen Wunsch auch wieder Männer bei der Sitzung zugelassen.

Wir versuchen nicht nur, mit unserer Sitzung an Weiberfastnacht karnevalistisches Brauchtum aufrecht zu erhalten. In diesem Rahmen leisten wir auch einen Beitrag beim Empfang von Prinz und Bonna im Rathaus Hardtberg.

Von Anfang an wirkt das Damenkomitee mit beim Nachmittag für Duisdorfer Senioren (früher: Tag der älteren Mitbürger), indem es die Brote für die Veranstaltung schmiert.

Am Derletalfest nehmen wir mit unterschiedlichen Aktivitäten teil. Nachdem die Freiluftkegelbahn nicht mehr zur Verfügung stand, werden die Kinder in Thillys Mal- und Schminkstudio geschminkt. Daneben werden die Gäste mit Waffeln, Reibekuchen oder Würstchen verköstigt, und natürlich lassen wir auch niemanden verdursten.

Auch am Umzug anlässlich des zweijährlichen Duisdorfer Weinfestes nehmen wir seit vielen Jahren mit einem Wagen teil; 1977 stellten wir die Weinkönigin Claudia I. (Schwab).

1998 übernahm Leonore Grell, die 1983 die Vizepräsidentschaft von Maria Wolff übernommen hatte, die Präsidentschaft und führt seitdem eines fort, was den Verein von Anfang an gekennzeichnet hat: Die Mangelverwaltung.

Das Damenkomitee hat es zwar - im Gegensatz zu den Männern - geschafft, einen Elferrat zusammen zu bringen. Bei dieser Mitgliederzahl - plus/minus 2 oder 3 - ist es lange geblieben.

Das macht die Sache überschaubar und führt zu einer engen Verbundenheit. Jeder ist dabei, wenn er gebraucht wird - und gebraucht wird jeder.

Und noch eins ist geblieben: Die Proben für unsere eigenen Auftritte sind das schönste. Ob im Versammlungsraum unter der Mehrzweckhalle oder im Wohnzimmer der Präsidentin - der Spaß bei den Proben schlägt jede Sitzung.

Der zweite Mangel ist natürlich das Geld. Das ist aber in fast allen Vereinen der Fall, und leider mehrt sich die Zahl der Karnevalsvereine, die entweder ganz aufgeben oder keine Sitzungen mehr veranstalten können.

Solange der Verein die Verluste aus der jährlichen Sitzung noch durch die Mitgliederbeiträge und Einnahmen beim Derletalfest ausgleichen kann, wollen wir auch nicht klagen.

Der Humor ist gerade in Zeiten wirtschaftlicher Probleme besonders wichtig.

1985 kostete der Eintritt übrigens 22 DM, seit 2004 unverändert 15 €. Das entspricht einer jährlichen Preissteigerung von weniger als 1,2 %. Ich denke, dass sich in dieser Beziehung viele an uns ein Beispiel nehmen sollten. Die Kostensteigerungen der öffentlichen Hand, der GEMA, der verpflichteten Kräfte mag ich da gar nicht zu nennen. Für 2014 kamen aber auch wir nicht mehr umhin, den Eintritt auf 18 € anzuheben.

Dieses Thema soll auch nicht vertieft werden, es gibt aber Gelegenheit, sich für die vielfältige Unterstützung zu bedanken, die der Verein durch seine treuen Gäste und Förderer erfahren hat und noch erfährt.

Nur beispielsweise und stellvertretend für viele andere seien einige wenige Namen genannt:

- Für die Bezirksverwaltung: lange Jahre die Herren Lorth, Esser und Uhlich, inzwischen die Bezirksbürgermeisterin, Frau Thorand, und die Herren Henke, Uhlich und Engels, die alle immer ein offenes Ohr für die Probleme der Vereine haben und helfen, wo sie nur können.

- Von den Vereinen möchte ich z.B. den TKSV erwähnen, der besonders in der Person von Walter Nettekoven, immer einspringt, wenn Not am Mann ist - ob wir das Podium für die Musik, Dekorationsstücke oder Hilfe beim Aufbau brauchen.

- Bedanken möchten wir uns auch bei dem Gottvater des Duisdorfer Karnevalslebens, Toni Mai, für seine anerkennende Würdigung unserer Tätigkeit, und

- stellvertretend für die Hardtberger Vereinsfamilie beim langjährigen Vorsitzenden des Ortsfestausschusses, Hans Berg, und seinem Nachfolger Ed Franke.

- viele wären noch zu nennen, von Bernd Vianden über Jupp Klein und Julia und Markus Martinet bis zu unserem Getränkelieferanten und den Vorverkaufsstellen; bei vielen werden wir uns noch einzeln bedanken.

- Sitzungen sollen möglichst nicht im Verborgenen stattfinden. Daher gebührt unser Dank besonders den Vertretern der Presse, die im Vorfeld auf unsere Veranstaltungen hinweisen und später von ihnen berichten.

- Dank auch an alle Freunde und Nachbarn, unsere fördernden Mitglieder, die wirklich nicht "passiv" sind, und sonstigen Helfer, ohne deren Unterstützung wir weder Saalaufbau noch Derletalfest bewältigen könnten; nicht zuletzt auch an unsere früheren Haus- und Hoffotografen Rolf Gehrmann und Katharina Krenzel sowie ihren Nachfolger Bodo Schmücking für ihren unermüdlichen Einsatz.

2011 wurde der Verein vom Amtsgericht Bonn ins Vereinsregister eingetragen und führt seitdem die Bezeichnung "Damenkomitee Blau-Weiss Duisdorf e.V.". Im gleichen Jahr erfolgte die Anerkennung der Gemeinnützigkeit durch das Finanzamt Sankt Augustin.

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